Coaching - Interpretation:

Zur komplexen Arbeit an Stimme und Werk gehört natürlich auch das Singen am Klavier.

Dabei sind sowohl Solo-Stunden als auch gemeinsame mit Gesangslehrer und Pianist möglich und sinnvoll.

In beiden Fällen wird an der optimalen Förderung und Erweiterung ihrer Möglichkeiten Hand-in-Hand gearbeitet.

Dazu gehören beim Erlernen und Vertiefen der geeigneten Literatur vor allem die detaillierte Arbeit an der Stilistik, der Intonation, der Phrasierung und der Artikulation von Ton und Sprache.

Wir begeben uns auf die Entdeckungsreise nach der Absicht des jeweiligen Komponisten und suchen nach ihrem ganz persönlichen intensiven Ausdruck bei der Interpretation.



Repertoireberatung- Vorsingtraining- Wettbewerbsvorbereitung:


Neben meiner Tätigkeit in der Lehre des eigentlichen Singens geben mir meine Eigenschaft als Künstlerischer Berater und Verantwortlicher für Rollenbesetzung und künstlerisches Budget am Stadttheater Bern, im Rahmen derer ich mit zahlreichen europäischen Vermittlungsagenturen für Künstler arbeite, sowie meine eigene Erfahrung als Opernsänger die Möglichkeit, eine individuell gestaltete und zielgerichtete Strategie für interessierte Künstler zu entwickeln. Einen ganzheitlichen Ansatz an den Beruf des lyrischen Künstlers zu wählen, statt nur auf den Aspekt der Stimme abzuheben, kann sich als wertvoll erweisen und den Sängern, die diesen Weg einschlagen, viele Fehler ersparen.


Das Erlernen des Vorsingens sollte an allen Konservatorien ein eigenständiges Lehrfach sein! Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie jämmerlich Sänger mit echten stimmlichen Fähigkeiten beim Vorsingen durch ihr Auftreten versagen, weil sie es nicht besser wissen und weil sie auf diese wirklich eigenartige Übung nicht vorbereitet sind, die leider mit dem eigentlichen Beruf auf der Bühne so wenig zu tun hat, und doch unabdingbar ist - zumindest am Anfang der Karriere, meist aber deutlich länger, wenn man seine Engagements haben will.

Eine echte Kenntnis des Marktes, des heute leider etwas zu einer gewissen Vereinheitlichung tendierenden Geschmacks sowie der Konkurrenz sind in diesem hart umstrittenen Gewerbe absolut unerläßlich, will man ein optimal auf seine Fähigkeiten abgestimmtes, überzeugendes Repertoire auswählen und aufbauen. Kleine Fehlerchen oder ein Repertoire, das gerade beim Vorsingen nicht ganz genau einem Timbre, einer Persönlichkeit, einer Technik entspricht, können extrem negative und entmutigende Konsequenzen haben.


Es reicht, bei einigen Vorsingtermine hintereinander zu scheitern, um niedergeschlagen zu sein und sein Selbstvertrauen zu verlieren, weil man als Sänger nicht über den erforderlichen Abstand und die Informationen verfügt, die man braucht, um die Gründe für das wiederholte Scheitern zu verstehen.


Man gerät in einen Abwärtssog, aus dem man häufig keinen Ausweg findet.


Vorsingen ist nicht angeboren, Vorsingen wird erlernt!


Dank meiner eigenen Karriere als Opernsänger und meiner Arbeit als Künstlerischer Berater und Beauftragter für Rollenbesetzung am Stadttheater Bern verfüge ich über einen klaren und weiten Blick auf die heutigen Anforderungen an den Beruf des Opernsängers.

Das Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris hat mich mit der Entwicklung eines ambitionierten Programms beauftragt, im Rahmen dessen die Gesangsschüler das Vorsingen lernen und üben sollen.

Dieses vielschichtige Programm erlaubt es den jungen Künstlern, sich die Aspekte für einen vielversprechenden Ansatz an diese schwierige und gefahrvolle Aufgabe anzueignen, zu lernen, die zahlreichen Fallen zu umgehen und die eigenen Leistungen beim Vorsingen nachhaltig und systematisch zu verbessern.


Ebenfalls zu lesen:

ein Artikel, der in der Zeitschrift der CNSMDP im Herbst 2009 erschienen ist, S.16

oder

http://www.cnsmdp.fr/conservatoire/journal/numeros/ConservatoireOpus80.pdf

oder Übersetzung hier lesen:

- Artikel aus dem Journal du Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris, Herbst 2009:

von Fabrice Dalis, Tenor, Künstlerischer Berater Musiktheater am Stadttheater Bern.


Vorsingen: Für Absolventen des CNSMDP eine reine Formalität?


Auf den ersten Blick stellt sich das Ganze sehr einfach dar: Man hat sich auf der Bühne vorzustellen, ein oder zwei Stücke (selten mehr) vorzusingen, sich artig zu bedanken und in der Hoffnung auf ein Engagement die Bühne wieder zu verlassen.


Und oft versteht man einfach nicht, warum jemand anders die Rolle bekommen hat…


Ich denke, daß ich nach einigen Jahren Berufserfahrung als Sänger - der auch die eben beschriebene Situation erleben mußte - und als eine der Personen auf der anderen Seite dieser Veranstaltung, also als Kommissionsmitglied, eine sehr genaue und vollständige Vorstellung dieser in den seltensten Fällen angenehmen Pflichtübung besitze - aber auch der Mittel, mit denen man seine Leistungen in solchen Situationen verbessern kann.

So kann es gerade für einen jungen Künstler von größtem Vorteil sein, die Ebene der Grundproblematik („Ich singe etwas, und dann werde ich engagiert oder eben nicht.“) zu verlassen und sich ein wenig mehr mit den zahlreichen Faktoren auseinanderzusetzen, die eben genau dazu führen, ob man engagiert wird oder nicht.


Kurz gesagt gibt es aus der Sicht der Kommission nach dem Vorsingen drei Töpfe, in die man die Sänger einteilt:

- den „Nein"-Topf

- den „Möglicherweise, aber wir gucken noch einmal ein bischen weiter“-Topf

- den "Jawohl, sofort"-Topf, welcher der kleinste der drei Töpfe ist.

Auch wenn diese wenig künstlerisch wirkende Beschreibung zynisch und brutal klingt - sie entspricht ziemlich genau der Realität.


Müßig, danach zu fragen, in welchen Topf Sie nun gerne gesteckt werden möchten…


Einige durchaus gängige Beispiele:

- Allgemeines Vorsingen: Die Sänger stellen sich vor, ohne daß man eine spezielle Rolle zu besetzen hätte.

80% der Sänger, ob Anfänger oder erfahrene Sänger, singen die selben Gassenhauer aus dem Allerweltsrepertoire, in allen erdenklichen Stilen, und am äußersten Limit dessen, was sie zu leisten in der Lage sind. Manchmal sogar schon jenseits dieser Grenze.

Viele von Ihnen, und natürlich insbesondere die weniger Erfahrenen, sind dem enormen Druck dessen, was auf dem Spiel steht, nicht gewachsen. Das Ganze wird erschwert durch die schier endlose Warterei, durch die unbekannten akustischen Verhältnisse, durch die Angst vor dem Pianisten, dessen persönliches Tempo man nicht kennt, durch den trockenen Hals, und ähnliches mehr. Sie hoffen einfach nur, ohne allzu große Peinlichkeiten bis zum Ende des Stücks zu kommen. Sie sind unfähig, ein Mindestmaß an Persönlichkeit zu entwickeln, oder Musikalität und Stilsicherheit zu zeigen, sondern beweisen einfach nur, daß sie von den Schwierigkeiten überfordert und weit davon entfernt sind, ihre Aufgabe zu erfüllen.


Sie freuen sich, das Ende des Stücks ohne Patzer erreicht zu haben?


Aus Sicht der Prüfungskommission reicht das leider nicht aus: Nein danke!


-Vorsingen für eine bestimmte Rolle in einer Produktion:

Der typische Fall: Ein junger Sänger oder eine junge Sängerin tingelt von Vorsingen zu Vorsingen und bewirbt sich permanent mit nicht ausreichend beherrschten Rollen, die zu ehrgeizig sind oder einfach nicht zur Konkurrenzlage passen.

So bewirbt sich beispielsweise eine Sängerin für die Rolle der Mimi, obwohl sie eher die Musetta singen sollte; ein Tenor will den Belmonte, wäre aber ein guter Pedrillo; eine Dritte, warum nicht, bewirbt sich auf die Leonore, sollte es aber lieber mit der Marzelline probieren; ein anderer versucht sich an Philipp dem Zweiten, obwohl er (noch!) in Nebenrollen besser aufgehoben wäre...

Und man sollte nicht meinen, daß die Opernleitung Leistungen schon richtig zuordnen, sozusagen "in die richtige Rolle übersetzen" wird, nach dem Motto: „Ich nehme Sie zwar nicht für diese Rolle, die Sie wirklich sehr schlecht gesungen haben, aber ich könnte Ihnen eine andere, etwas bescheidenere Rolle anbieten".

Und überhaupt: Würden Sie so etwas akzeptieren?!

Aber keine Sorge. Die Opernleitung hat besseres zu tun, und es gibt ja noch andere Sänger, die das tun, was sie beherrschen, und damit auf jeden Fall die mediokren Leistungen anderer bei weitem vergessen machen.


Aus Sicht der Kommission: Nein danke!


Abgesehen dieser extremen, aber - das dürfen Sie mir ruhig glauben - leider so häufigen Beispiele, gibt es sämtliche Abstufungen dazwischen, die Grauzone des Vorsingens, nicht wirklich gut, aber auch nicht wirklich vergeigt, hübsche Stimmen, die zu viel Falsches singen, durchaus mit Persönlichkeit, aber technisch nicht so wirklich auf der Höhe. Jede Menge Beispiele, die sich im „Vielleicht“-Topf wiederfinden und auf Antworten warten, die nicht kommen. Und wenn sie kommen, dann sind sie zumeist negativ.


Aus Sicht des Sängers sind all diese Situationen fürchterlich entmutigend und manchmal (oder vielleicht sehr oft?) nicht nachzuvollziehen. Es fehlt ihm einfach der Abstand zu sich selbst, die Möglichkeit, sich selbst auf heilbringende Art und Weise in Frage zu stellen.

Wie also muß man es anstellen, um in den ersehnten „Jawohl, sofort“-Topf zu gelangen?


Zuallererst - keine Frage - erreicht man dies durch tägliche Arbeit, wie ein Handwerker. Und dennoch, so meine ich, sollte man sich, bevor man sich auf der Bühne vorstellt und etwas singt, ein paar Dinge klar machen, die einen zu den entscheidenden Fragen führen.


Zunächst erscheint es mir wichtig zu verstehen, daß wir es hier nicht mehr mit einer Ausbildungssituation zu tun haben.

Anders ausgedrückt: Die Tatsache, daß Sie Fortschritte erzielen, daß Sie diese oder jene Phrase oder Note besser bringen als noch vor ein paar Wochen oder Monaten, daß man beim CNSMDP ganz allgemein findet, Sie seien auf dem richtigen Wege, all dies ist hier ab-so-lut bedeutungslos!


Ihr Umfeld besteht nicht mehr aus Ausbildern und Kommilitonen, unter denen Sie ihren Platz suchen, an denen Sie sich messen können, sondern aus anderen Berufssängern, die mitunter erheblich mehr Erfahrung haben als Sie und aus „Entscheidern“, für die nur die jämmerlichen fünf Minuten zählen, die Sie auf der Bühne stehen. Ihre Vergangenheit kennen sie nicht und wollen sie auch nicht kennen, wobei dies natürlich nach ein paar Jahren, wenn sie Sie schon öfters auf der Bühne gesehen und gehört haben, anders sein kann. Aber wenn Sie vorsingen müssen, spielen solche Dinge kaum eine Rolle, selbst nach zehn Jahren Beruf. Die Kommission hat Rollen zu verteilen, dafür werden die am besten geeigneten Kandidaten ausgewählt, Punktum.


Somit muß man von einem evolutiven System (dem Studium) in einem bekannten Umfeld in ein anderes System wechseln, in dem es auf den entscheidenden Augenblick ankommt, und in dem es nicht darum geht, Fortschritte zu erzielen, sondern ganz einfach darum, der oder die Beste zu sein. Dieses System ist knallhart, es gibt nur schwarz und weiß, ja oder nein, Fortschritte werden nicht berücksichtigt.


Es drängt sich also die erste Konsequenz auf, nämlich Klarheit darüber zu erlangen, wie wichtig es ist, sich ein diesem neuen Umfeld angepaßtes Repertoire für das Vorsingen zu erarbeiten.

Möglicherweise sind die Stücke und Rollen, die am CNSM erarbeitet wurden, dafür am besten geeignet.


Möglicherweise aber auch nicht, und zwar ganz und gar nicht.


Es gibt hier in der Tat einen Zwiespalt, bei dem man zwei Aspekte strikt voneinander trennen muß.

Auf der einen Seite stehen die didaktischen Erfordernisse der Ausbildung, insbesondere hinsichtlich Vielfalt an Stilen, unbedingt zu bearbeitendem Repertoire, das während des Studiums so tiefschürfend wie möglich erlernt werden muß, sowie der Notwendigkeit, seine Grenzen ständig zu verschieben, indem man Stücke und Repertoires bearbeitet, die eigentlich über die aktuellen Fähigkeiten des Studenten hinausgehen, damit diese weiterentwickelt werden.

Auf der anderen Seite steht die berufliche Ratio, das Vorsingen mit dem Ziel, ein Engagement zu erhalten. Viele Aspekte dieser Realität stehen im totalen Widerspruch zu dem, was ich bereits angesprochen habe:die Notwendigkeit, nicht einfach nur "in der Lage" zu sein, in sämtlichen Stilen mehr oder weniger gut singen zu können, sondern sich, ganz im Gegenteil, ein ganz enges, homogenes und glaubwürdiges Repertoire abzustecken, mit dem man nunmehr gegenüber anderen Sängern, die bereits eine Karriere haben, konkurrenzfähig ist, und nicht mehr nur gegenüber anderen Studenten. Nur mit einem solchen Repertoire kommt man zu seinem Engagement.


Das Ziel der Ausbildung am CNSMDP - das Diplom - erfordert ein breitangelegtes Studium aller möglichen Stile und Repertoires sowie zahlreicher anderer Fächer wie musikalische Ausbildung, Analyse, Sprachen, Rollenstudium, Kammermusik und so weiter.


Dies erscheint mir für die weitere Zukunft von absolut entscheidender Bedeutung.


Es wäre freilich absurd, die Gesangsausbildung auf das Erlernen einiger Stücke zu reduzieren, bevor man einen Sänger in die großen Opernhäuser zum Vorsingen losläßt. Dies wäre eine unzulässige Verkürzung der Lehrinhalte und für die meisten von uns das Ende der Karriere. Man kann von einem jungen Sänger, der ins Konservatorium eintritt, nicht mit Bestimmtheit vorhersagen, wie er sich entwickeln wird, zu welchen Repertoires die Arbeit und seine Persönlichkeit, ja sein Leben ihn führen werden.


Insofern ist es zwingend erforderlich, das Studium breit anzulegen. Ansonsten läuft man Gefahr, alle Studenten in dieselbe Form zu pressen, sie zu „formatieren“. Alle Türen, auch die verborgensten, müssen offenstehen, und unorthodoxe Werdegänge müssen ermöglicht werden, weil es buchstäblich tausende von Möglichkeiten gibt, über die ein jeder von uns zu seiner persönlichen Karriere voller musikalischer und menschlicher Erfüllung gelangen kann. Wie soll man zu einer echten Laufbahn kommen, wenn man nur den Null-Acht-Fünfzehn-Weg kennt, den Mainstream, wie ihn die Medien darstellen? Der Reichtum und die Vielfalt der breit angelegten musikalischen Ausbildung muß also unangetastet bleiben.


Bei der Hauptbetätigung in der noch jungen Karriere des Opernsängers, dem Vorsingen, muß man jedoch innerhalb kürzester Zeit beweisen, daß man sein Fach beherrscht, und Erfolg haben, indem man überzeugender ist als alle anderen. Nur in den allerseltensten Fällen wird dieses Ziel in sehr unterschiedlichen Repertoires und Stilen erreicht. Im Gegenteil: Das Mischmasch-Repertoire mit einem bischen Mozart hier, einem Touch Barock da, einem Schuß Italien und einem Hauch von deutscher Romantik ist beim Vorsingen fast immer kontraproduktiv, weil der Sänger in den Augen der Kommission im Prinzip nur zeigt, was er nicht oder zumindest noch nicht beherrscht. Der Eindruck ist grundsätzlich negativ, selbst wenn man auch in solchen Darbietungen immer einmal wieder einen Lichtblick erhascht. Den Entscheidern geht es in aller Regel darum auszusortieren…


Um das Ganze mit einem Gegenbeispiel zu belegen: Der Idealfall für den Caster ist im Gegensatz zu den vorgenannten Beispielen der Sänger, der sein Repertoire ein wenig intelligenter ausgewählt hat, das möglicherweise etwas bescheidener, aber dafür umso angemessener ist, das mit echter Persönlichkeit, Frische und Einfachheit vorgetragen wird und deutlich unter den stimmlichen Maximalleistungen des Sängers bleibt. Wenn der Vortrag dann auch noch frei von den üblichen Schreckensszenarien bleibt - sowohl für den Sänger als auch für die Kommission, weil alle Schwierigkeiten, auch wenn sie nicht gewaltig sind, einwandfrei gemeistert werden, dann heißt es aus Sicht der Kommission: Jawohl, sofort!


Eine Opernproduktion zu besetzen, heißt aus Sicht der Opernleitung, die Rollen allesamt zu besetzen. Es gibt also ein Sängerleben außerhalb der Violettas, Carmens, Rodolfos, Max, Posas, Sastros und Konsorten. Das heißt natürlich noch lange nicht, daß diese Rollen grundsätzlich außer Acht bleiben müssen. Und in der Tat gibt es sehr junge Künstler, die das Potential haben, solche Rollen zu besetzen. Aber statistisch betrachtet kann einfach nicht jeder die passenden Fähigkeiten besitzen, schon zu Beginn der Karriere die Hauptrollen zu singen.

Viel entscheidender ist es, zum „Jawohl, sofort!“-Topf zu gehören, unabhängig von der Größe der Rolle, und sich dadurch nach und nach weiterzuentwickeln und Fortschritte zu erzielen.

Dies ist einfach nur auf der Bühne möglich. Abgesehen von der Tatsache, daß es absolut möglich ist, wunderbare Karrieren mit Nebenrollen zu machen, ist es auch durchaus häufig, auf der höchsten Ebene Sänger anzutreffen, die bescheiden begonnen haben.

Eine Karriere muß also Schritt für Schritt aufgebaut werden. Man muß an die Zukunft denken, aber schon am Anfang das Fundament für eine Karriere legen, die lange dauern wird und nicht wie ein Strohfeuer verpufft. Man muß sich der inzwischen auch an der kleinsten Provinzoper internationalen Konkurrenz stellen können, seinen Platz in einem bereits existierenden Umfeld mit anderen Berufssängern statt Kommilitonen finden, sich selbst besser kennen, um sich unter den anderen zurechtzufinden, sich nicht unter-, aber auch nicht überbewerten, lieber ein bischen Selbstvertrauen hinzugewinnen als sich durch einen Karrierebeginn mit wiederholten Nackenschlägen, die sich aus einer Fehleinschätzung der Berufsrealität zwangsläufig ergeben, entmutigen zu lassen.


Es ist der Einstieg, der gelingen muß. Denn man sollte nicht unterschlagen, daß die Namen der Künstler wie Lauffeuer unter den Opernintendanten kursieren, im Guten wie im Schlechten, und ein einmal erlangter Ruf kann einen lange Zeit verfolgen und wie ein Bleigewicht auf den Schultern lasten. Ein paar mäßige Leistungen in etwas zu großen Häusern können hier schon ausreichen.


Neben der Auswahl eines angemessenen und konkurrenzfähigen Repertoires erscheint es mir wichtig, die folgende kurze Checkliste im Kopf zu haben:

- Wo singt man vor und weshalb:Es macht beim Vorsingen einen Unterschied, ob man in der Bastille oder in Nordhausen singt, ob man als Gastsänger vorträgt oder für ein Engagement in einem Ensemble (z.B. in Deutschland).


- Mentale Vorbereitung:Bewußtsein erlangen über die besondere Streßsituation des Vorsingens, und wie man diese in den Griff bekommt.


- Auftreten beim Vorsingen: Wie sichert man sich die Aufmerksamkeit, wie hebt man sich von den anderen ab, wie läßt man eine besondere Persönlichkeit zutage treten.


Hinzufügen könnte man, daß es immer schwieriger wird, Vorsingtermine ohne Agenten zu erhalten. Deshalb muß man wissen, an welche man sich wenden muß, um seine Ziele umzusetzen. Alle haben Stärken und Schwächen und unterschiedliche Profile.


Das Idealziel ist und bleibt natürlich, nicht mehr vorsingen zu müssen, einen solch guten Ruf zu besitzen - meist in einem klar definierten Bereich, daß sich diese Pflichtübung erübrigt. Dieses Ziel möchten wir alle gerne erreichen, was auch absolut möglich ist.

Dafür bedarf es jedoch einer eindeutigen und von den Opernintendanten anerkannten künstlerischen Identität.


Und diese erreicht man gleich vom Anfang der Karriere an durch gelungenes Vorsingen!